Ist Zahnpflege wirklich notwendig ?

Täglich bildet sich neuer Zahnbelag auf den Zahnoberflächen, der mit Futterresten, Speichelstoffen und Bakterien durchsetzt ist. Dies führt in der Folge zu Entzündungen des Zahnfleisches und des übrigen Zahnhalteapparates. Dadurch werden im Laufe der Zeit die Strukturen abgebaut, die den Zahn mit dem Kieferknochen verbinden. Für den Hundebesitzer ist dies zunächst durch eine Rötung des Zahnfleischrandes zu erkennen, teilweise sind die Hunde an diesen Stellen auch berührungsempfindlich. Später zieht sich das Zahnfleisch immer weiter von der Zahnkrone zurück und die Wurzeloberfläche wird freigelegt. Neben einer zunehmenden Empfindlichkeit der Zähne bedeutet dies aber auch eine vermehrte Anheftung von Zahnbelag, Futterresten und Fremdkörpern wie Haare, Holzteilchen u.ä., da die Wurzeloberfläche rauer als die Zahnkrone ist. Außerdem bilden sich durch das Zurückweichen des Zahnfleisches auch Nischen und Taschen, in denen sich Fremdkörper festsetzen können. Durch die bestehende Entzündung des Zahnfleisches werden auch die tiefer gelegenen Bereiche nach und nach in Mitleidenschaft gezogen. Die Fasern, die den Zahn mit dem Kieferknochen verbinden lösen sich auf und auch der Knochen wird abgebaut. Die Zähne verlieren ihren Halt und fangen an sich in in ihrem Zahnfach zu lösen. Am Ende ist der Zahnhalteapparat so zerstört, das der Zahn ausfällt oder gezogen werden muß.
Der Zeitraum vom auftreten der ersten Entzündungsanzeichen bis zum Verlust des Zahnes ist bei den Hunden teilweise sehr unterschiedlich und von verschiedenen Faktoren abhängig. Die Art der Fütterung kann ebenso Einfluß nehmen wie die Form des Maules und damit die Stellung der Zähne, das Kauverhalten und auch die individuelle Neigung des einzelnen Tieres zur Zahnbelag- und Zahnsteinbildung.

Eine professionelle Zahnreinigung kann die Zahnoberflächen von Zahnstein und Zahnbelag befreien, durch die abschließende Politur werden die Oberflächen geglättet und die neuerliche Anheftung von Zahnbelag vermindert. Verhindern kann diese Behandlung eine erneuten Befall aber nicht! Der dauerhafte Erfolg der Zahnbehandlung hängt wesentlich von der anschließenden häuslichen Maul- und Zahnpflege durch den Besitzer ab! Schließlich putzen wir uns ja auch die Zähne täglich und müssen trotzdem in regelmäßigen Abständen zu einer Zahnsteinentfernung bei unserem Zahnarzt.
In einer Studie der Kollegin Dr. C. Gorrel aus England konnte nachgewiesen werden, das die Zahnfleischentzündung bei Hunden bereits drei Monate nach einer proffesionellen Reinigung ohne anschließende häusliche Pflege wieder die gleiche Stärke erreicht hatte wie vor der Behandlung!

Zähneputzen – aber richtig!

Die häufigste Frage in unserer Sprechstunde lautet: „Muß ich meinem Hund wirklich die Zähne putzen?“ Die Antwort darauf ist:

Ja – wenn Sie optimal gegen Zahnfleisch- und Zahnkrankheiten vorbeugen wollen.“
Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der frühzeitigen Gewöhnung Ihres Hundes an die tägliche Prozedur der Zahnreinigung. Bereits im Welpenalter kann man sein Tier spielerisch an Zahnbürste, Zahnpasta und das Putzritual heranführen. In diesem Stadium dankt einem sein Tier jede Form der Aufmerksamkeit, ausserdem sind noch keine Entzündungssymptome vorhanden, die dem Tier die Zahnpflege als unangenehme Erfahrung verleiden. Wird das Zähneputzen erst in Angriff genommen, wenn das Zahnfleisch entzündet ist, werden viele Hunde dies als schmerzhafte Erfahrung kennen und hassen lernen.

Das wichtigste Hilfsmittel zur Beseitung des Zahnbelag ist die Zahnbürste. Nylonbürtsen mit weichen bis mittelharten Bortsen scheinen für Hunde am besten geeignet zu sein. Fingerzahnbürsten oder Mulllappen, die um einen Finger gewickelt werden, sind in der Anwenung häufig einfacher und werden meistens besser von den Hunden toleriert, entfernen aber im Vergleich weinger Zahnbelag als richtige Zahnbürtsen. Für die Gewöhnungsphase können sie denoch gute Dienste leisten. Als Zahnpasta eignen sich speziell für Tiere entwickelte Cremes, da sie einen angenehmen Geschmack besitzen und sich die Tiere das Zähneputzen leichter Gefallen lassen und länger tolerieren. Zwingend notwendig sind sie jedoch nicht, da es hauptsächlich auf die mechanische Reinigungswirkung der Zahnbürste ankommt. Nicht einsetzbar sind Zahnpasten für den Menschen, vor allem keine Kinderzahncremes! Diese haben einen für den Menschen wünschenswert hohen Fluoridgehalt, der aber für die Hunde zu einer akuten bzw. chronischen

Vergiftung führen kann, da die Hunde die Zahncreme nicht ausspülen sondern abschlucken können. Zudem schäumen derartige Zahncremes, was von den meisten Hunden als unangenehm empfunden wird.
Um das Zahnfleisch optimal zu pflegen ist ein einmaliges tägliches Zähneputzen ausreichend. Mehrmaliges tägliches Putzen – zudem mit einer zu harten Zahnbürste – kann das Zahnfleisch sogar schädigen. Wird jedoch nur alle drei Tage oder sogar nur einmal in der Woche eine Zahnpflege durchgeführt, ist kein ausreichender Erfolg mehr feststellbar.
Die „richtige“ Technik des Zähneputzen muß jeder Tierhalter mit seinem Hund selber erarbeiten. Wichtig ist nur, das so viele Zahnflächen wie möglich erreicht werden und auch Spalten und Vertiefungen gesäubert werden. Die äusseren Zahnflächen sind leichter zu reinigen, da der Hund dafür den Fang nicht öffnen muß, das Anheben der Lefze reicht dafür aus. Läßt sich der Hund die Innenflächen der Zähne nicht säubern, ist dies kein Grund zur Resignation. Jeder gesäuberte Bereich ist ein Erfolg, auch wenn nicht alle Flächen erreicht worden sind.

Zahnpflegefuttermittel

Gegenüber der weit verbreiteten Ansicht kann eine alleinige Fütterung mit Trockenfutter keine Zahnbelag- und Zahnsteinbildung verhindern. Grob strukturiertes Futter regt zwar vermehrt die Kautätigkeit und damit die Selbstreinigung durch mechanischen Abrieb des Zahnbelages an einzelnen Zahnoberflächen an, ist aber kein Allheilmittel. Demgegenüber kann eine ausschließliche Fütterung mit Dosenfutter durchaus zu einer vermehrten Zahnbelagbildung führen. Es kann aber kein eindeutiger Unterschied in der Auswirkung auf die Gesundheit von Zähnen und Zahnfleisch durch reine Trocken- oder Feuchtfütterung festgestellt werden.

Auf dem Markt werden auch vermehrt spezielle Futtermittel zur Zahnpflege angeboten, die sowohl als Alleinfuttermitel oder  als Zusatzfuttermittel zur Verfügung stehen. Bei den Alleinfuttermitteln führen spezielle Strukuren des Futters bei der Futteraufnahme zu einem vermehrten Abrieb der Beläge. Die Zusatzfuttermittel sind bekannt als Kauriegel, Kekse oder Sticks, die als Zusatz nach der Fütterung oder als Belohnung angeboten werden und eine vermehrte Kautätigkeit fördern sollen. Durch ihren speziellen Aufbau sollen sie dabei die Zahnbeläge abreiben.
Diese Hilsmittel können bei der Zahnpflege einen Beitrag zur Reduzierung des Zahnbelages leisten, erreichen aber nicht den selben hohen Wirkungsgrad wie das tägliche Zähneputzen. Als zusätzliche Hilfe bei der täglichen Zahnreinigung können Sie sie aber Ihrem Hund durchaus anbieten – ausserdem schmecken sie Ihrem Hund ja auch.

Büffelhautknochen, Schweineohren und Ochsenziemer werden von vielen Hunden gerne genommen, sollten meiner Einschätzung jedoch nicht als Zahnpflegemittel eingesetzt werden. Diese Futterstoffe regen zwar die Kautätigkeit an, haben aber die Tendenz eine klebrige Oberfläche zu entwickeln. Dies kann in der Folge zu einer Ablagerung auf der Zahnoberfläche führen und so den Zahnbelag verstärken. Bieten Sie Ihrem Hund ruhig diese Futterstoffe weiter an, wenn Ihr Hund sie gerne nimmt – aber nicht unter der Voraussetzung der „Zahnreinigung“.

© Copyright 2018 - Zahnarzt für Tiere | Dr. Stefan Nefen